Betrachtet man die Werbelandschaft von Flyern, Broschüren, Visitenkarten, Aufklebern, Autobeklebungen und Internetseiten einmal abseits der, von großen Unternehmen vorgegebenen Pfade, etwas genauer, so wird man aus dem Staunen nicht mehr heraus kommen. Da gibt es gelbe Beklebungen auf weissen Fahrzeugen. Immobilienmakler mit Comic Sans im Logo oder Logos mit einer Microsoft Word Ente.
Werbung im 20 Jahrhundert
Was mir die letzten Jahre so alles unter gekommen ist, das grenzt teilweise schon an visueller Vergewaltigung der Gesellschaft.
Natürlich muss man fair genug sein um zu erkennen, das nicht jede schlechte Werbung vom Kunden aus geht. Viele grauenhafte Werbekonzepte stammen von Agenturen und Freiberuflern, die entweder einen schlechten Tag hatten oder aus unerfindlichen Gründen in diesem Beruf gelandet sind.
Aus dir wäre vielleicht ein hervorragender Metzger geworden
Auch ich habe Tage, da bekomme ich bis auf etwas Facebook und Twitter Geplänkel nicht viel gebacken. Auch ich habe schon Flyer entworfen, wo ich Jahre später sage: „Oh mein Gott!”. Sicherlich entwickelt man sich und was vor 5 Jahren Hip war, ist heute eben nur Grunge … oder so.
Wenn heute allerdings grauenhafte Dinge vom Schreibtisch aus gestaltet und entwickelt werden, dann liegt der Hund oftmals wo ganz anders begraben.
Der Kunde und seine Lakeien

Ich komme mit 99,9% meiner Kunden sehr gut aus. Was vielleicht auch daran liegt das ich nicht jeden Handstreich berechne und versuche den Kunden und sein Unternehmen etwas genauer kennen zu lernen. Nur so habe ich später die Möglichkeit authentische Werbung zu erstellen, die sowohl den Kunden als auch seine Dienstleistung und Qualität widerspiegeln.
Ich mag meinen Beruf. Die Gespräche mit den Kunden. Das Gegenseitige kennen lernen und auch die komplizierten Diskussionen warum ich keine Robbe ins Layout schneide.
So ein Entwicklungsprozess ist wie eine Partnerschaft. Man vertritt seinen Standpunkt und muss sowohl nachgeben können, als auch standhaft bleiben. Das mit dem Standhaft bleiben ist manchmal allerdings nicht ganz so einfach. Ich sage immer: Bis zu einem gewissen Punkt, danach mache ich es einfach so wie der Kunde es möchte. Denn noch viel schlimmer als eine suboptimale Arbeit ist ein Auftrag der in einer reinen Streit-Beziehung endet.
Es gibt aber auch Kunden, um die geht es hier, die gar keine Partnerschaft wollen. Sie kaufen sich einen „PC Typen” ein, der dann genau das zu tun hat, was man selbst erwartet. Da kommen schon mal Fragen wie: „Warum können Sie unser Outlook nicht neu konfigurieren” und die verständnislose Mine, wenn man Antwortet: „weil ich auch kein Raumschiff fliegen kann” … es ist nicht mein Job.
Diese Gattung von Kunden weiss grundsätzlich alles besser. Da kommen Aussagen alà „wir möchten nicht das man auf unserer Webseite scrollen muss” (Aktuell von Marc beleuchtet) oder „unser Grafiker hat Ihnen mal ein Layout in Word gebastelt um Ihnen eine detailierte Richtung vor zu geben„. Das der Grafiker eigentlich der Herr aus dem Vorzimmer ist, wird natürlich verschwiegen.
Es ist ja nicht so als wäre mir das unbekannt. Auch ich war ein paar Jahre lang angestellt und man möchte auch mit seinem Halbwissen helfen, vor allem dem Chef. Wenn man mit selbigem noch gut aus kommt und er sich eben nur so einen „PC Typen” engagiert hat, dann fällt es nicht schwer zu erraten wem er sein Vertrauen schenkt.
Traurig aber wahr
Nun habe ich aktuell auch so ein Projekt. Eine Totgeburt vom zweiten Gespräch an. Eine Seite nach Kundenwunsch entwickelt und das ganze nach wenigen Wochen komplett gelöscht um auf eigene Rechnung noch einmal eine wenigstens einigermaßen anständige Version nachzulegen. Wohl gemerkt - kostenlos. Des guten Willen halber.
Anmerken sollte man auch das 100% der Empfehlungen und Vorgaben über den Haufen „angewiesen” wurden und 6 Wochen lang nur das gestaltet und entwickelt wurde, was der Kunde und seine Mitarbeiter wollte(n).
Bewahrheitet hat sich das Sprichwort über die Köche. Ein Angestellter der Schrauben sortiert ist eben kein Werbefachmann und ein zweiter Angestellter der eine Schwester hat, die irgendwo mal in einer PR Agentur gearbeitet hat, heiligt auch Unwissenheit nicht. Obgleich ein Mitarbeiter einer PR Agentur nicht zwangsweise über Wissen für Internetseiten verfügen muss.
Die noch viel traurigere Wahrheit ist: Egal wie man es dreht und wendet, alle Parteien sind unzufrieden. Egal ob man kostenlos nach legt, was in diesem Fall auch nicht gewürdigt, sondern eher noch mit absurden Terminen gedankt wird.
Die Aussage: „Für meinen Konkurrenten haben Sie doch auch was so tolles gemacht, warum nicht für uns” zaubert einem schon fast wieder ein Lächeln aufs Gesicht, jedoch nur weil man nicht heulen möchte.
Fazit
Werbung braucht Spezialisten. Spezialisten kosten Geld und spezialisierten Dienstleistern muss man Ihre Arbeit auch nicht erklären. Und auch wenn ich weiss wie ein Raumschiff aussieht, so weiss ich noch lange nicht wie man selbiges zum Mond fliegt.
Kleiner Tip am Rande:
Entsprechende Klauseln in die Verträge packen, die die Zusammenarbeit auch beenden können und den Kunden abschießen. Denn: Leidtragender ist man zu 110% selbst. Zum einen spürt man das im Geldbeutel, weil das Projekt nicht zeitgemäß beendet werden kann, zum anderen verärgert man anständige Kunden, die aufgrund der neuen Situation warten müssen oder nur halbherzige Aufmerksamkeit ernten.
Solche Aufträge niemals branden, denn das entspricht nicht der Qualität in der normalerweise Arbeiten erledigt werden, sondern vielmehr dem was sich andere Leute zusammengereimt haben und anschließend angeschafft wurde.
Diskussionen sind wie immer erwünscht.
Benjamin Weigl ist seit 2005 als selbstständiger Webentwickler und Designer für Unternehmen aus ganz Europa tätig.